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Bohdan Luts gewinnt den 17. Wieniawski-Violinwettbewerb

Bohdan Luts gewinnt den 17. Internationalen Henryk-Wieniawski-Violinwettbewerb

Heather Kurzbauer von Heather Kurzbauer · 23. Oktober 2026

POZNAŃ, Polen – Man stelle sich eine stattliche Großstadt vor, deren Flughafen nach einem Geiger und Komponisten benannt ist.

Zu sagen, Poznań – Heimat des ältesten Violinwettbewerbs der Welt – sei stolz auf seine Kultur, wäre eine Untertreibung. Die Liebe zur Musik und die Verehrung für den einfallsreichen Violinvirtuosen des 19. Jahrhunderts, Henryk Wieniawski, prägen alle fünf Jahre das reiche Kulturleben der Stadt, wenn der Wettbewerb einen glanzvollen Monat lang die Musik feiert.

Am Donnerstag wurde der ukrainische Geiger Bohdan Luts (21) zum Erstpreisträger des 17. Internationalen Henryk-Wieniawski-Violinwettbewerbs 2026 gekürt. Die 19-jährige chinesische Geigerin Jinzhu Li gewann den zweiten Preis, SooBeen Lee (26) aus Südkorea belegte den dritten Platz. Es war eine Woche echter Virtuosität, durchdrungen von reicher Geschichte.

Unten: Bohdan Luts spielt Wieniawskis Violinkonzert Nr. 2 d-Moll op. 22 mit der Philharmonie Poznań unter der Leitung von Łukasz Borowicz.

Zunächst zur Geschichte, die in Poznań allgegenwärtig ist. Henryk Wieniawski wurde 1835 in der Nähe von Lublin in eine Familie jüdischer Herkunft geboren und begann mit fünf Jahren Geige zu lernen. Wenn man den Historikern glauben darf, hörte er von diesen frühen Jahren an bis zu seinem frühen Tod im Alter von 44 Jahren nie auf, aufzutreten. Ein anderer großer polnischer Geiger, die Legende des 20. Jahrhunderts Szymon Goldberg, bemerkte einmal: „Es war, als trüge Wieniawski den Mantel Paganinis – schließlich begann er im Todesjahr Paganinis mit dem Geigenspiel. Wie jener große Italiener war Wieniawski ein unermüdlicher Interpret, dessen Kompositionen das Gepräge eines Virtuosen tragen: in höchstem Tempo geschrieben und doch erfüllt von größter Liebe zur Volkskultur, von Melancholie und Vornehmheit.“

Hundert Jahre nach Wieniawskis Geburt präsentierte der erste Internationale Henryk-Wieniawski-Violinwettbewerb (HWIVC) 1935 eine glanzvolle Riege von Preisträgern: die 15-jährige Erstpreisträgerin Ginette Neveu, den Zweitplatzierten David Oistrach, Henri Temianka, Boris Goldstein, das Wunderkind Ida Haendel und Bronisław Gimpel. Vergangener Ruhm hin oder her – wer glaubt, der HWIVC ruhe sich auf seinen Lorbeeren aus, irrt. Die diesjährige 17. Ausgabe verdient Lob für ihre Neuerungen, nicht nur bei der Zusammensetzung der Jury, sondern auch für ihren bahnbrechenden Umgang mit dem Repertoire.

Selbst im dritten Jahrzehnt des Jahrtausends werden die meisten internationalen Musikwettbewerbe von etablierten Pädagogen bewertet, ergänzt um einige wenige Solisten für die Konzertrunden. Die Jury des HWIVC 2026 war erfrischend anders. Juryvorsitzender Bartłomiej Nizioł, Erstpreisträger des HWIVC 1991, wurde unterstützt von Andrea Obiso, Liviu Prunaru, Gerhard Schulz, Alexander Sitkovetsky, Akiko Suwanai, Agata Szymczewska, Vera Tsu Weiling, Sungsic Yang und Nancy Zhou: herausragende Interpreten, Spitzenpreisträger, Legenden der Kammermusik und renommierte Konzertmeister – um nur einige der Leistungen der Jurymitglieder zu nennen.

Die radikalen Änderungen beim Repertoire wurden zum Stadtgespräch. Der HWIVC neuen Stils bietet eine Begegnung mit jungen Künstlerpersönlichkeiten und mit Musik als gemeinsamer Sprache über Grenzen hinweg. Die Direktorin des Wettbewerbs, Karolina Kaźmierczak, betonte: „Wir sind ein kleines Team, das sich an viele Berater gewandt und unzählige Sitzungen abgehalten hat, um die Feinheiten des Repertoires zu besprechen – in der Hoffnung, den Geist Wieniawskis lebendig zu halten, indem wir polnische Komponisten ins Rampenlicht rücken und den Teilnehmenden ermöglichen, viele Seiten ihrer Persönlichkeit zu zeigen.“

Jurymitglied Akiko Suwanai, die sowohl beim Concours Reine Elisabeth als auch beim Tschaikowsky-Wettbewerb Spitzenpreise gewann, begrüßte die Neuerung: „Bei diesem Wettbewerb muss man sein eigenes Szenario entwerfen, ein Programm gestalten, das die eigenen kommunikativen Fähigkeiten definiert.“

Anna Im, Laureatin 2026 und Preisträgerin einer beeindruckenden Reihe von Wettbewerben, äußerte sich positiv über ihr Repertoire-Abenteuer: „Es hat uns ermöglicht, viele interessante Stücke kennenzulernen, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Es war eine andere Herausforderung als bei anderen Wettbewerben.“

Nach der Vorrunde verlangte die zweite Runde ein Rezital, das einen Dialog zwischen polnischen und anderen Kompositionen anregen sollte. Die Teilnehmenden konnten zwischen zwei Optionen wählen: eine Sonate aus dem bekannten Kanon (etwa Ravel, Grieg, Schumann oder Fauré) zusammen mit Werken polnischer Komponisten (Szymanowski, Lutosławski oder Weinberg) – oder polnische Sonaten (Bacewicz, Paderewski, Szymanowski oder Penderecki) als Herzstück des Programms, kombiniert mit virtuosen Werken etwa von Saint-Saëns, Waxman oder Ysaÿe, um Urteilsvermögen und Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen.

In der dritten Runde war eines der folgenden Werke aufzuführen – alle vier weit jenseits des bei anderen Wettbewerben üblichen Spektrums: Góreckis Concerto-Notturno op. 13, Andrzej Panufniks Violinkonzert, Pēteris Vasks’ Vox Amoris, Fantasie für Violine und Streicher, oder Mieczysław Weinbergs Concertino op. 42.

Jurymitglied Liviu Prunaru bemerkte: „Eine anspruchsvolle Auswahl, die meiner Meinung nach zu einigen vielleicht problematischen Entscheidungen geführt hat. Der Panufnik zum Beispiel erforderte sehr viel Studium und Analyse, während der Weinberg – eine wirklich schöne Komposition – viel leichter zu erlernen und zu vermitteln ist. Es ist nicht einfach zu bewerten, wenn man eine komplizierte Partitur mit einem gefälligen Stück vergleicht.“

Der Geiger Bohdan Luts
Der Geiger Bohdan Luts. Foto: Leszek Zadoń.

Ähnliche Zwickmühlen ergaben sich bei der Konzertwahl in der vierten Runde. Zur Auswahl in Runde 4 standen die Schlachtrösser Brahms, Beethoven und Sibelius, ergänzt um das Dvořák-Konzert, das vergleichsweise unbekannte Violinkonzert von Karłowicz sowie – überraschend für uns altgediente Wettbewerbsberichterstatter – das Violinkonzert von Mendelssohn. Die Mehrheit der Halbfinalisten entschied sich für Sibelius und Brahms; nur einer traf eine andere Wahl: das Dvořák-Konzert.

Am ersten Abend des Halbfinales traten sechs junge Künstler auf. Meng Zou (24), ein in Singapur studierender chinesischer Geiger, eröffnete den Abend mit dem stets beliebten Violinkonzert von Sibelius. Vielleicht forderten Wettbewerbsmüdigkeit und/oder mangelnde Orchestererfahrung ihren Tribut. Gesegnet mit einem intensiven Vibrato und großem Ton, wirkte sein Zugang zur Partitur im Vergleich zu anderen Teilnehmenden pedantisch.

Die koreanische Geigerin Jooha Choi (24) wählte das Brahms-Konzert, ein wunderbares Vehikel für ihren hinreißenden, großen Klang. Ihr Augenmerk lag auf Tragfähigkeit und Stabilität, doch bei allem bewundernswerten geigerischen Können zeigte sich keine überzeugende persönliche Interpretation.

Die Erfahrenste unter den Interpretinnen und Interpreten des ersten Abends, Anna Im (Korea, 27), steckte sich hohe musikalische Ziele. Eine hochgespannte Brahms-Einleitung kontrastierte mit der Ruhe ihres langsamen Satzes voller Klangfarben und innerer Gelassenheit.

Der letzte Abend des Konzert-Halbfinales begann mit einer magischen Aufführung des Sibelius-Konzerts durch eine weitere erfahrene Interpretin, die koreanische Geigerin SooBeen Lee (26). Und was für eine Aufführung das war!

Unten: SooBeen Lee spielt Sibelius’ Violinkonzert d-Moll op. 47.

Von ihrem jenseitig-atmosphärischen Beginn bis zur wilden Kraft der Kadenzen im ersten Satz war dies eine Aufführung, die das Publikum auf eine musikalische Reise in die Tiefen der Seele des Komponisten mitnahm. Lee verstand es, mit den Bläsersoli des Orchesters in Dialog zu treten, und bescherte dem Publikum im leidenschaftlichen Schlusssatz ein Tanzfest voller archaischer Rhythmen.

Die 19-jährige chinesische Geigerin Jinzhu Li ist ein Phänomen an Energie und Temperament, gesegnet mit einer kraftvollen Technik der linken Hand. Mit sattem Klang und perfekt ausgeführten Feuerwerken war ihr Sibelius dramatisch und virtuos, wenn auch weniger originell als der der vorherigen Finalistin.

Bohdan Luts (Ukraine, 21) beschloss die Konzertrunde mit einem exquisit gestalteten Dvořák-Konzert. Mit einer musikalischen Reife weit über seine 21 Jahre hinaus nahm er das Publikum mit in ein zutiefst berührendes Hörerlebnis. Kantilenen im Pianissimo in den Seitenthemen kontrastierten mit seinem dynamischen Verständnis der folkloristischen Elemente, von denen dieses oft übersehene Konzert nur so wimmelt.

Unten: Bohdan Luts spielt Dvořáks Violinkonzert a-Moll op. 53.

Es ist nur folgerichtig, dass die sechs Wettbewerbsrunden des diesjährigen HWIVC mit Wieniawski-Konzerten endeten. Die Entscheidung für das erste oder das zweite Konzert ist voller Dilemmata. Das berüchtigt schwierige fis-Moll-Konzert, das der Komponist mit 17 Jahren schrieb, steht im Kontrast zum melodiösen zweiten Konzert, das oft als Sprungbrett für Studierende auf dem Weg zu den großen Konzerten gilt. Wer Michael Rabins und Itzhak Perlmans legendäre Interpretationen des fis-Moll-Konzerts hört, für den ist das Klischee „Technik statt Gehalt“ erledigt – und kein Hörer wird je wieder auf das zweite Konzert herabsehen, nachdem er sich die vorbildlichen Aufnahmen von Shlomo Mintz oder Pinchas Zukerman wieder in Erinnerung gerufen hat.

SooBeen Lee und Jinzhu Li wählten beide das erste Wieniawski-Konzert, während Luts die Wettbewerbsrunden mit dem zweiten beschloss. Lee und Luts sind beide wettbewerbserfahren und haben bereits bedeutende Preise gewonnen – doch es war die Newcomerin Jinzhu Li, die das Publikum mit ihrer spürbaren Freude auf der Bühne und ihrer kraftvollen Darbietung des teuflischen Konzerts Nr. 1 für sich gewann.

Unten: Jinzhu Li spielt Wieniawskis Violinkonzert Nr. 1 fis-Moll op. 14.

Bohdan Luts näherte sich den Klanglandschaften des zweiten Konzerts mit großer Gelassenheit, und Lee bewies in ihrer Interpretation des fis-Moll-Konzerts ihr enormes technisches Format.

Während das Publikum Jinzhu Li favorisierte, erhielt Bohdan Luts den begehrten ersten Preis – dazu die zweijährige Leihgabe einer Stradivari-Violine von 1711.

Bohdan Luts, Jinzhu Li und SooBeen Lee
Die Geigerinnen und Geiger Bohdan Luts, Jinzhu Li und SooBeen Lee unmittelbar nach der Bekanntgabe der Preisträger. Foto: Leszek Zadoń.

Bei der Preisverleihung vor dem ersten von mehreren Galakonzerten erhielt Jinzhu Li die meisten Sonderpreise, und SooBeen Lee gewann einen wohlverdienten Preis für die beste Interpretation einer Wieniawski-Caprice in einer früheren Runde.

Bei jedem Wettbewerb gibt es junge Künstlerinnen und Künstler, die es nicht in die Finalrunden schaffen. Um bei enttäuschten Zuhörern jeden Zweifel auszuräumen, wird der HWIVC 2026 die Jurywertungen veröffentlichen – eine weitere willkommene Neuerung auf seiner Erfolgsliste.

Teofil Milenkovic, einer von drei Teilnehmenden, die von vielen Zuhörern und Kritikern favorisiert wurden, aber nicht ins Finale kamen, erhielt einen Preis für die beste Interpretation eines polnischen Konzerts. Auch zwei chinesische Teilnehmende, Zhixin Zang und Jiachen Cao, sowie die bestplatzierte polnische Teilnehmerin, Zofia Anna Olesik, wurden in leidenschaftlichen Diskussionen unter Poznańs zahlreichen Musikliebhabern gelobt.

Rückblickend treffen die ermutigenden Worte des Juryvorsitzenden Bartłomiej Nizioł angesichts der großartigen Darbietungen in Poznań zu. Er betonte, dass Musik große Harmonie stiften und Brücken über alle Grenzen hinweg bauen kann, und stellte den wahren Wert einer musikalischen Reise über den flüchtigen Ruhm von Preisen:

„Bei diesem Wettbewerb gibt es keine Verlierer. All diese jungen Musikerinnen und Musiker sind Gewinner, wahre musikalische Helden.“

Eine Parallele findet sich beim Studium der Kritiken zu Wieniawskis zahlreichen Konzerten. Über einen Auftritt im Leipziger Gewandhaus in den 1850er-Jahren schrieb ein Kritiker: „Sein Spiel zeugt von einem echten, nicht von einem oberflächlichen Talent.“ Überschwang, Tiefe, poetisches Feingefühl und extravagante Virtuosität – Wieniawski lächelt den Preisträgern des 17. HWIVC gewiss anerkennend zu.

Übersetzung: Meistervioline

© Copyright by Violinist.com. Erst erschienen in: https://www.violinist.com/blog/hkurzbauer/202610/30898/

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